
Für eilige Leser
- Low-Code und No-Code Plattformen erleichtern Software-Entwicklern die Umsetzung von Anwendungen. Sie erfordern jedoch ein fundiertes Verständnis von Datenbanken, Geschäftslogik, Schnittstellen, Benutzeroberflächen, Sicherheit, Betrieb, Architektur sowie Fehleranalyse.
- Jede Low-Code/No-Code Plattformen erzeugt im Hintergrund klassischen Source-Code für Profis, auch wenn die Komposition der Anwendung in weiten Strecken graphisch erfolgt. Will man anspruchsvolle Anwendungen erstellen oder steht man vor Fehlern, ist professionelles Know-How zur Problemlösung unabdingbar.
- Jedes Software-Entwicklungstool nutzt oder wird in Zukunft Low-Code Elemente nutzen, sofern sie zur Produktivitätssteigerung der Entwickler nicht auf mittels KI-generierten Source-Code setzt. Bei Benutzeroberflächen und im Datenbankbereich sind graphische Entwicklungstools in jedem Fall intuitiver.
- Je einfacher die Plattformen die Entwicklung machen, desto geringer ist derzeit ihr Funktionsumfang und desto höher auch der Lock-In Effekt. Gerade Private-Equity-finanzierte Firmen müssen früher oder später ihre Kunden schröpfen, um die in sie gesetzte Ertragshoffnung zu realisieren.
Tipp zum Ausprobieren
Wer ansprechende Anwendungsoberflächen entwickeln möchte und hier auf eine moderne und featurereiche Plattform setzen möchte, sollte sich FlutterFlow näher ansehen. Damit können Software-Entwickler ansprechende Benutzeroberflächen für alle Endgeräte entwickeln und diese mit Backend-Funktionalität verbinden. Im Gegensatz zu Flutter bietet FlutterFlow zahlreiche auf Low-Code basierende Beschleunigungen und vorgefertigte Elemente.
Oracle APEX für den schnellen Sieg
Der Low-Code Markt steht vor großen Umwälzungen. Führende Anbieter wie OutSystems und Mendix sind aufgrund der Entwicklungen rund um KI und OpenAI aus dem Fokus der IT-Unternehmen gelangt. Zudem überzeugt ihr Preismodell nicht. Zu teuer für den Einstieg, zu undurchsichtig für skalierende Anwendungen.
Oracle APEX geht hier einen anderen Weg. Hier wird Rechenleistung, also CPU, RAM und Speicherplatz lizenziert. Wird eine Anwendung wenig genutzt, zahlt man weniger, wird die Anwendung stark genutzt oder wird sie sehr groß, zahlt man mehr. Das ist nachvollziehbar.
Nachteilig ist derzeit, dass Oracle APEX relativ viel PL/SQL Code und JavaScript benötigt, um komplexere Backend- sowie Frontend-Logiken zu realisieren. OutSystems und Mendix sind in dieser Hinsicht deutlich graphischer unterwegs.
Dennoch lassen sich mit Oracle APEX in kurzer Zeit leistungsfähige und optisch ansprechende Anwendungen realisieren, ohne sich in die Tiefen von JQuery, Angular, Vue oder React verlieren zu müssen.
Babylonisches Sprachwirrwarr
Im internationalen Umfeld müssen viele Anwendungen für eine Vielzahl an Sprachen angepasst werden. Zwischenzeitlich hat sich UTF-8 als Zeichensatz-Codierung durchgesetzt, sodass Buchstaben mit Akzent korrekt dargestellt werden. So die Theorie!
Die relevante Frage ist: Kann man sich darauf verlassen? Die knappe Antwort: Leider nein.
So kommt es vor, dass aus einem deutschen Text plötzlich ein ISO-8859-1 kodierter Text wird, den die Zielanwendung nicht lesen kann. Jetzt gilt es, die Ursache zu finden. Und genau hier bedarf es tiefgreifenden Know-hows. Low-Code hin, No-Code her.
Viel Arbeit, die Konzentration und vor allem Kompetenz erfordert.
Warum ist das wichtig?
Low-Code klingt schön, solange der Anwendungsfall einfach ist und keine Probleme auftreten. Sobald die Anwendung in komplexen Umgebungen mit vielen Umsystemen und zahlreichen Beteiligten eingesetzt wird, kann eine Low-Code Plattform nur dann bestehen, wenn sie von Profis verwendet wird.
Zuverlässigkeit
Auch bei der Wahl einer Software-Entwicklungsplattform muss die Zuverlässigkeit des Anbieters geprüft werden. Während die technische Evaluierung recht gut gelingt, ist es bei der wirtschaftlichen und organisatorischen Zuverlässigkeit von Low-Code Anbietern nicht so einfach.
Fast jedes US-amerikanische Startup ist Private Equity finanziert und damit ein Mittel zum hoffnungsvollen Abkassieren geworden.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Die goldene Regel
Wer das Gold hat, macht die Regel. In unserem Fall ist der Kunde. Die Antwort ist denkbar einfach: Man wähle eine Alternative, wenn die wirtschaftlichen Eckpunkte nicht schlüssig sind:
- Ist das Preismodell transparent und nachvollziehbar?
- Hat der Vertrieb oder der Anbieter eine hohe Fluktuation?
- Wird das Lizenzmodell regelmäßig geändert?
- Spricht das Management fortwährend vom geplanten Börsengang oder M&A?
- Ist die Produkt-Roadmap unklar oder intransparent?
- Ist der Kundenservice "auf Zack" oder träge?
Wo Rauch, dort auch Feuer.
Die Zeit arbeitet gegen Hasardeure
Wer auf einem hohen Ross sitzt, fällt irgendwann tief und schmerzvoll herunter. Arrogantes Management übersieht zumeist die technischen Substitute: Künstliche Intelligenz, vor allem die Large Language Modelle.
Software-Entwicklung ist immer sprachbasiert. Auch Low-Code Plattformen konvertieren ihre graphisch erstellten Programme in Hochsprachen, um sie dann in maschinenlesbare Form zu kompilieren.
Mit Codex von OpenAI und Zusatzerweiterungen wie Copilot for GitHub beschleunigt KI plötzlich die klassische Software-Entwicklung enorm:
- Unit-Tests werden automatisch erstellt
- Fehlersuchen durchgeführt
- Source-Code automatisch dokumentiert
- Ganze Funktionsblöcke wie von Geisterhand geschrieben
Da stellt sich die Frage: Wofür brauche ich dann noch eine Low-Code Plattform, wenn ich ohnehin kompetente Entwickler für anspruchsvolle Anwendungen benötige?
Die nächsten 2 bis 3 Jahre werden uns den Weg weisen.
Späte Reue, alles wird gut?
Werden sich die Low-Code Anbieter ihrer Stellung im Kosmos der Software-Entwicklung besinnen? Wir sind gespannt! Bedeutet dies, dass Low-Code Plattformen zu meiden sind?
Nein, überhaupt nicht! Wenn man um deren Situation und Gebaren weiß, kann man das in seinen Verhandlungen berücksichtigen. Kommt man zu keiner zufriedenstellenden Lösung, ergreift man eine andere Lösung.
Aus diesem Grund nutzen wir mehrere Low-Code Plattformen parallel und prüfen vor jedem Projekt, welche Plattform sich nicht nur technisch sondern auch betriebswirtschaftlich eignet.
Lege niemals all deine Eier in einen Korb.
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