Logistik & TransportAgentenIndustrie

KI-Agenten revolutionieren die Logistik

Wie DHL, DB Schenker und deutsche Logistikunternehmen KI-Agenten einsetzen – mit verifizierten Quellen aus 2024/2025.

26. November 2025
7 Min. Lesezeit
Versandhalle mit Förderbändern und Monitoren zur Logistiksteuerung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 90% der Unternehmen sehen hohes Potenzial in KI-Agenten für Logistik (INFORM-Studie 2025)
  • DHL setzt auf KI-Agenten für automatisierte Kommunikation - Millionen Sprachminuten pro Jahr geplant
  • Brain Drain stoppen: KI hilft beim Wissenstransfer vor dem Ruhestand erfahrener Disponenten
  • 80% Akzeptanz: Mitarbeitende stehen KI-Technologie positiv gegenüber (Samsara-Studie)

Die Dämmerung fällt über ein hochmodernes Logistikzentrum in Nordrhein-Westfalen. Zwischen den Regalen gleiten autonome Transportroboter, ihre Sensoren scannen unermüdlich Bestände, während im Hintergrund Algorithmen in Echtzeit die optimale Route für die nächste Lieferung berechnen. Was noch vor wenigen Jahren wie Science-Fiction anmutete, ist heute in der deutschen Logistik Realität. KI-Agenten übernehmen zunehmend die Steuerung komplexer Prozesse, entlasten menschliche Arbeitskräfte und versprechen eine Effizienzrevolution. Doch der Weg ist gesäumt von technologischen Hürden und der Notwendigkeit, den Menschen in dieser Transformation nicht zu verlieren.

„KI-Agenten entlasten unsere Teams“ – DHL Supply Chain geht voran

Ein herausragendes Beispiel für die praktische Anwendung von KI-Agenten liefert DHL Supply Chain. Der Logistikriese hat seine Zusammenarbeit mit dem KI-Startup HappyRobot intensiviert, um den Einsatz autonom handelnder KI-Systeme weltweit auszubauen. Das Ziel ist klar definiert: den Kundenservice zu verbessern und gleichzeitig Mitarbeitende durch die Schaffung attraktiverer Tätigkeiten stärker an das Unternehmen zu binden.

„Im Rahmen unseres strukturierten, strategischen Ansatzes zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz identifizieren und prüfen wir seit über 18 Monaten systematisch Anwendungsfälle für generative und agentenbasierte KI-Technologien“, erklärt Sally Miller, CIO von DHL Supply Chain. Die KI-Agenten übernehmen dabei bereits selbstständig die Telefon- und E-Mail-Kommunikation für Aufgaben wie Terminvereinbarungen, Rückrufe bei Fahrern oder die Koordination besonders dringlicher Lagerprozesse. Diese Automatisierung ermöglicht schnellere, schlüssigere und besser skalierbare Abläufe. Die Ambition ist hoch: DHL strebt Millionen automatisierter Sprachminuten und Hunderttausende E-Mails pro Jahr an. Dies zeigt, dass KI-Agenten nicht nur als technische Spielerei, sondern als strategisches Instrument zur Bewältigung des steigenden Kommunikationsaufkommens und zur Optimierung der Ressourcennutzung eingesetzt werden.

Cognitive Automation: Der nächste Entwicklungsschritt nach klassischer Automatisierung: KI-Agenten verstehen natürliche Sprache, treffen kontextbezogene Entscheidungen und lernen aus Erfahrung. In der Logistik bedeutet das: Statt starrer Regeln können Systeme wie erfahrene Disponenten auf unvorhergesehene Situationen reagieren.

Autonome Fahrzeuge rollen an: REWE testet die „Letzte Meile"

Die Vision autonomer Lieferfahrzeuge rückt ebenfalls näher. In Bochum testet REWE als erster Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland die Auslieferung von Lebensmitteln mit einem hochautomatisiert fahrenden Fahrzeug der Stufe 4. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Technologieunternehmen LOXO, das seit 2024 eine Niederlassung in München unterhält, erprobt REWE die Revolution der „Letzten Meile“ in der urbanen Logistik. Diese Entwicklung, die das Fraunhofer IML bereits für 2024 in Form von Testfahrten autonomer Lkw auf deutschen Autobahnen durch den Forschungsverbund ATLAS-L4 prognostizierte, könnte schneller Realität werden als viele annehmen. Solche Innovationen versprechen nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes, ein Megatrend, der die Logistikbranche weiterhin prägen wird.

Der Status Quo: Eine Branche im Aufbruch

Die deutsche Logistikbranche gilt als Vorreiter bei der Digitalisierung. Eine Studie des Ifo-Instituts vom August 2023 belegt, dass 13,3 Prozent der deutschen Unternehmen bereits KI nutzen, weitere 9,2 Prozent den Einsatz planen und 36,7 Prozent mögliche Szenarien diskutieren. Insbesondere die Logistik sieht sich selbst in einer Vorreiterrolle: 56 Prozent der Logistikunternehmen schätzen ihre Branche als führend in der Digitalisierung ein, verglichen mit 32 Prozent in der Gesamtwirtschaft.

Die Potenziale von KI-Agenten in der Logistik werden von der Mehrheit der Fachleute erkannt. Eine im Sommer 2025 von INFORM durchgeführte Studie unter 114 Fach- und Führungskräften zeigt, dass fast neun von zehn Unternehmen (rund 90 Prozent) in KI-Agenten ein hohes oder sehr hohes Potenzial sehen. Bereits zwölf Prozent der befragten Unternehmen setzen die Technologie produktiv ein, während weitere 25 Prozent sich in der Testphase befinden.

Die attraktivsten Einsatzfelder für diese intelligenten Helfer sind vielfältig: Absatzplanung und Bedarfsprognosen stehen an erster Stelle, gefolgt von Bestandsmanagement und dessen Optimierung. Auch die Erkennung und Bewertung von Risiken in der Lieferkette, die Transportplanung und -optimierung sowie die Produktions- und Fertigungssteuerung werden als zentrale Anwendungsbereiche genannt. KI-Agenten analysieren Daten in Echtzeit, treffen eigenständig Entscheidungen und unterstützen als intelligente Assistenzsysteme die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Zwischen Hype und Handwerk: Die Einschätzung der Experten

René Kessler von abat, ein Sprecher auf dem Logistics Summit 2024, zieht einen treffenden Vergleich: „KI ist ein Stück weit auch wie Feuer. Feuer steht für Energie, für Transformation, hat uns als Mensch total viel Fortschritt mitgebracht. Wenn ich Feuer aber irgendwie falsch verwende, kann ich ganze Ortschaften zerstören. Und so ähnlich ist das vielleicht bei KI auch.“ Er betont, dass es darum gehe, KI als Werkzeug zu sehen und sie dort einzusetzen, wo sie echte Mehrwerte schaffe, anstatt „KI-Projekte zu machen, um KI-Projekte zu machen“. Trotz des Hypes sei KI jedoch „nicht nur ein Hype“, da das Investitionsvolumen enorm sei.

Michael Ruchty, Messeleiter der LogiMAT, unterstreicht die praktischen Vorteile: „Künstliche Intelligenz [...] unterstützt die Automatisierung komplexer Anwendungen, ermöglicht in Echtzeit schnelle und präzise Problemanalysen sowie beschleunigte Prozesse. Damit stärkt sie die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und optimiert Ressourceneinsatz und -verbrauch.“

Herausforderungen und der menschliche Faktor

Doch der Weg zur umfassenden Integration ist nicht ohne Hürden. Die INFORM-Studie zeigt, dass für den erfolgreichen Einsatz von KI-Agenten gut geschulte Mitarbeitende, klare Richtlinien und transparente Entscheidungsprozesse entscheidend sind. Fast zwei Drittel der Befragten wünschen sich Schulungen zur Anwendung (61 Prozent) und ein besseres Verständnis für Funktionsweise und Grenzen der Technologie (58 Prozent).

Ein weiterer Aspekt ist die sogenannte „Sim-to-Real Gap“, die Übertragung von in Simulationen entwickelten KI-Lösungen in die reale Welt. Das Fraunhofer IML forscht intensiv an dieser Herausforderung, beispielsweise mit ihren Roboterplattformen evoBOT und O3dyn, um sicherzustellen, dass die intelligenten Systeme auch im physischen Umfeld zuverlässig agieren.

McKinsey & Company beleuchtet in einer Studie vom Oktober 2024 die Auswirkungen von KI auf die Personalplanung. Die Personalfluktuation in der Logistik stieg nach COVID-19 um 33 Prozent, und der Renteneintritt der Baby-Boomer-Generation verschärft den Fachkräftemangel. Ludwig Hausmann, Senior Partner bei McKinsey in München, sieht hier eine Chance: „KI kann den Unternehmen helfen, die Personalplanung effizienter zu gestalten und neue Programme und Tools zur smarten Datenanalyse zu entwickeln. Das schafft die Resilienz, die die Branchen benötigen.“ McKinsey-Analysen zeigen, dass KI-Modelle den Personalbedarf in Call Centern mit 90-prozentiger Genauigkeit vorhersagen und Überstundenkosten um bis zu 20 Prozent senken könnten.

Die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden ist dabei erfreulich hoch: Eine Samsara-Studie "State of Connected Operations 2024" ergab, dass 80 Prozent der Mitarbeitenden in Unternehmen, die KI nutzen, der Technologie positiv gegenüberstehen. Dies liegt oft daran, dass KI-Lösungen den Arbeitsalltag erleichtern und die Sicherheit erhöhen können.

Ausblick: Die Logistik von morgen

Die Logistikbranche steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Trends für 2025 und darüber hinaus umfassen eine noch stärkere Integration von KI und Automatisierung, von smarter Steuerung bis hin zu autonomen Entscheidungen. Nachhaltigkeit wird weiterhin eine zentrale Rolle spielen, wie das Fraunhofer IML mit einem KI-System zur kraftstoffsparenden Routenplanung zeigt, das bis zu 40 Prozent Einsparungen ermöglichen soll. Der Markt für KI-Spracherkennung, ein wichtiger Baustein für viele KI-Agenten, wird bis 2030 auf 73 Milliarden Dollar weltweit anwachsen, mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 27 Prozent.

Bis 2026 werden laut Gartner über 80 Prozent der Unternehmen KI-gestützte Anwendungen in Produktionsumgebungen einsetzen, ein signifikanter Sprung gegenüber den nur 5 Prozent im Jahr 2023. Das Handelsblatt KI Summit 2024/2025 bestätigt: KI ist gekommen, um zu bleiben und wird zur neuen Norm, die Geschäftsmodelle revolutioniert.

Die Logistik der Zukunft wird maßgeblich von intelligenten, autonomen Agenten geprägt sein, die Prozesse optimieren, Ressourcen schonen und den Menschen von repetitiven Aufgaben entlasten. Die Herausforderung besteht darin, diese Technologien verantwortungsvoll zu implementieren, die Mitarbeitenden auf diesem Weg mitzunehmen und die notwendige Infrastruktur für eine widerstandsfähige und effiziente Lieferkette zu schaffen.

Quellen:

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